
Manchmal ist es gar keine Idee, die mich zur Kamera greifen lässt – sondern ein Impuls. Eine visuelle Übereinstimmung von Form, Licht, Farbe und Atmosphäre. Etwas fühlt sich stimmig an, ohne dass ich es erklären kann. Ich halte kurz inne. Und dann beginne ich zu sehen.
In meiner Arbeit als Fotograf sind es oft zwei Momente, die mich besonders berühren:
Der Anfang. Und das Ende.
Zu Beginn ist alles offen. Ich schaue, ohne zu erwarten. Am Ende wird es ruhig – ein Gefühl von Entscheidung stellt sich ein. Ich spüre: Jetzt ist es da. Das Bild trägt sich selbst.
Was ein Portrait für mich „echt“ macht?
Es ist der Moment, in dem Bildkomposition und Emotionalität zusammenfinden. Wenn Form und Gefühl ein Gleichgewicht bilden. Dann entsteht ein Bild, das nicht nur zeigt – sondern spürbar macht.
Stille spielt dabei eine wichtige Rolle.
Sie hilft mir, mich zu konzentrieren. Sie öffnet den Raum für Wahrnehmung. Ich beobachte, wie Licht fällt, wie Farben fließen, wie sich ein Gesicht verändert. Die Kamera begleitet – zurückhaltend, achtsam.
Und wenn ich ein Bild fertiggestellt habe, frage ich nicht nach Perfektion. Ich frage:
Wird es still?
Fühlt es sich leicht an?
Wenn ja, dann ist es gut.
✦ Begleitend dazu ist eine kleine Serie von Illustrationen entstanden
Sie zeigen meinen Prozess – in fünf poetischen Bildern.

